Vaskuläre Demenz - nur eine Durchblutungsstörung?

Ihr Ehemann zeigt ein

vaskuläres Demenz-Symptom?

Das sollten Sie jetzt wissen

  

 

 

 

So eine Diagnose – da bleibt erstmal die Luft weg. Sie fragen sich, ob Sie sich echt damit abfinden müssen und nichts dagegen tun können?

Meine Antwort ist ein entschiedenes NEIN! Gerade bei einer vaskulären Demenz haben Sie ganz viel in der Hand. Hier finden Sie Tipps, was Sie jetzt als nächstes tun können. 

 

 

 

Eine Vaskuläre Demenz hält sich nicht an typische Muster

 

Anders als bei einer Alzheimer Demenz sind Gedächtnisstörungen zunächst nicht das auffälligste Symptom. So kann es einige Zeit dauern, bis es zu einer Diagnose kommt.

 

Ging es Ihnen auch so: Niemals haben Sie an eine Demenz gedacht!

 

Aber vielleicht haben Sie:

  • Sich die plötzlichen Veränderungen nicht erklären können

  • Mit Engelszungen gesprochen, dass Sie sich Sorgen machen

  • Ihm vorgeschlagen, einen Arzt aufsuchen

  • Die Antwort bekommen: ich bin doch nicht krank!

  • Sich gewundert, warum er plötzlich streitlustig wird

  

 

Wann spricht man von einer Vaskulären Demenz?

Gefäßbedingte (vaskuläre) Demenzen sind nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste Demenzerkrankung. Manchmal treten beide gemeinsam auf, dann spricht man von einer Mischform beider Krankheitsbilder.

 

Kurzdefinition:  

  • Vaskuläre Demenz - Durch Gewebsverlust (Infarkt) als Folge einer Gefäßkrankheit einschließlich eines erhöhten Druckes in diesen Gefäßen. Diese Infarkte können unterschiedlich groß sein und verschiedene Hirnregionen betreffen
  • Vaskuläre Demenz mit akutem Beginn - Eine Reihe von Schlaganfällen als Folge einer Thrombose in den Hirngefäßen oder eine Blutung können eine schnelle Demenzentwicklung verursachen. Daher der Zusatz: akuter Beginn
  • Multi-Infarkt-Demenz - Es kommt durch vorübergehenden Blutmangel im Gewebe zu einer Minderversorgung und anschließend zu eher kleinen Infarkten. Diese Form wird MID - Multi-Infarkt-Demenz genannt. - In der Vorgeschichte können diese Blutmangel-Situationen manchmal erinnert werden: es traten kurzfristige neurologische Ausfälle auf - als vorübergehende Schwäche einer Hand oder auch als Sprachstörung

  

 

Was bedeutet das im Alltag?

Ihnen ist aufgefallen, dass Ihr Mann beim Nachdenken und Sprechen länger braucht. Er wirkt nicht mehr so aufmerksam wie früher. Auch sich auf eine Sache konzentrieren fällt ihm schwerer.

Möglicherweise schwankt seine Gefühls-Lage, er ist leichter reizbar. Auch depressive Phasen können – müssen aber nicht – auftreten.

 

Er ist nicht mehr so belastbar wie früher, häufiger müde und körperlich allgemein schwächer geworden.

 

Charakteristisch ist, dass es häufiger zu plötzlichen Verschlechterungen (akuter Krankheitsschub) als bei anderen Demenzen kommt. Und manchmal bleiben die Symptome über lange Zeit stabil.

 

Die gute Nachricht: Es gibt auch Phasen, in denen es besser wird!

Umso hilfreicher, wenn Sie die Ursachen und Risikofaktoren kennen. Damit können Sie eher Vorzeichen erkennen und sich Anbahnendes möglicherweise lindern oder sogar vermeiden.

 

  

Was wird in nächster Zeit möglicherweise anders sein?

Sich darauf vorzubereiten, dass Ihr Mann sich allmählich verändern wird, ist einerseits nicht leicht. Aber es kann auch helfen, sein Verhalten besser einzuordnen und Sie können wahrscheinlich Vielem zuvor kommen.

 

Und eines ist sicher: es hat nichts mit Ihnen zu tun. Sie trifft keine Schuld.

 

Was kann alles betroffen sein:

  • Zurechtfinden in der Umgebung

  • Vertraute Personen werden nicht mehr erkannt

  • Misstrauen, vielleicht sogar Furcht

  • Eigene Gefühle sind nicht mehr gut kontrollierbar

  • Körperliche und seelische Unruhe

  • Tag- und Nacht-Rhythmus verschwimmt

  • Hunger- und Durst-Gefühl nimmt ab

  • Wut, Trauer und Scham-Gefühle

  

 

Warum Sie diese Entwicklung nicht einfach tatenlos hinnehmen müssen

Je mehr Sie wissen, umso gezielter können Sie Ihr eigenes Handeln im Alltag steuern. Ihr Umgang mit Ihrem Mann wird im Alltag immer sicherer und ausgeglichener. Damit haben Sie großen Einfluss auf Ihre gemeinsame Lebensqualität.

  

  

Was können Sie jetzt sofort tun?

Sie möchten vermutlich schnellstens wieder den Boden unter Ihren Füssen zurück gewinnen. Dazu gehört herauszufinden, was Ihnen beiden (!) gut tut und was es zu vermeiden gilt. Wenn Sie verstehen, was gerade mit Ihrem Mann passiert, können Sie ihn unterstützen, ohne ihn zu bevormunden. Damit zeigen Sie: „Ich bin da und gebe dir genau soviel Halt, wie du jetzt brauchst“

 

 

Informieren Sie sich umfassend und zielgerichtet

Es gibt ein Überangebot an Info zum Thema Demenz. Entscheidend ist, was Sie mit all diesen Tipps anfangen. Einfach gesagt: Was dem Einen hilft, ist für den Anderen wenig bereichernd, ja sogar kontraproduktiv.

 

Sie kennen Ihren Mann am besten:

  • Seine Grunderkrankungen

  • Seine Stärken und Schwächen

  • Seine Vorlieben und Abneigungen

  • Ihnen fällt am ehesten auf, wenn sich etwas verändert

 

Suchen Sie den Arzt Ihres Vertrauens

Wie gut, wenn Sie ihn bereits gefunden haben. Vielleicht ist es Ihr langjähriger Hausarzt, der Sie beide jetzt zuverlässig begleitet. Er kennt Ihren Partner und vorhandene Risikofaktoren und wird eine Behandlung danach ausrichten.

 

Besprechen Sie Möglichkeiten

  • Die Durchblutungsstörungen zu behandeln

  • Den geistigen Abbau zu verzögern

  • Die Stimmungsschwankungen auszugleichen

  • Die innere Unruhe zu mildern

     

Fragen Sie nach allem, was Ihnen unter den Nägeln brennt. Je früher, umso besser.

 

Scheuen Sie sich nicht, eine medikamentöse Behandlung anzusprechen. Ihr Arzt wird verantwortungsvoll abwägen und gemeinsam mit Ihnen festlegen, was geht und was nicht.

 

 

Denken Sie auch an nicht medikamentöse Therapiemöglichkeiten wie 

  • Physiotherapie für mehr Mobilität

  • Ergotherapie für den Erhalt von Selbständigkeit

  • Erinnerungsarbeit zur Stimmungsverbesserung

  • Musiktherapie

  • Körperliches Arbeiten als Ausgleich

In erster Linie soll dies die Sinne anzusprechen mit dem Ziel, dass sich Ihr Mann wohl fühlt.

Auch hier gilt: Jeder mag etwas anderes und selbst Musizieren ist nicht jedermanns Sache. Warum also sollte er jetzt anfangen, Flöte zu spielen? Aber vielleicht Trommeln! Oder einfach Musik hören - oder schwofen...

 

Seien Sie erfinderisch und probieren Sie aus: Ist es der Ausflug ins Grüne, der die Stimmung hebt oder das gemeinsame in Erinnerung schwelgen auf einer Parkbank?

 

Manchmal reicht es sogar, einfach nur da zu sein.

 

Manchmal ist weniger einfach mehr.

 

 

Damit Sie Ihre Lebensqualität länger erhalten oder gar verbessern lernen

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, „Lebensqualität“ neu zu definieren?

Waren bisher Erfolg, Wohlstand, Reisen oder Erlebnis-Events erstrebenswert, so verändert die Erkrankung wahrscheinlich einiges.

 

Jetzt stehen Wohlbefinden, Zufriedenheit, Behaglichkeit, Vertrauen, respektvolles Miteinander und Halt finden an erster Stelle.

 

Konzentrieren Sie sich auf: 

  • Gemeinsame Erfolgserlebnisse - führen zu mehr Zufriedenheit

  • Erhalt der geistigen Fähigkeiten durch Förderung - ggf. ist sogar eine Verbesserung möglich

  • Linderung psychischer Verhaltenssymptome – für einen entspannteren Umgang im Alltag

  • Integration der Krankheit - belastet langfristig weniger als sich dagegen aufzulehnen

 

  

Meine besten Tipps für mehr Gelassenheit im Alltag

Dass es Ihrem Partner wieder besser gehen kann, ist jetzt vielleicht schwer vorstellbar. Aber Sie können die Dinge in die Hand nehmen. Anstatt zu verzweifeln, weil vieles nicht mehr funktioniert: Unternehmen Sie gemeinsam Dinge, die gelingen und Ihnen Freude machen.

 

 

Offener Umgang im Umfeld

Viele Menschen sind noch nie mit einer Demenz konfrontiert waren. Sie sind deshalb unsicher und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. So kann es zu Missverständnissen kommen, die vermeidbar wären. Ein Verständniskärtchen („Ich habe Demenz – bitte haben Sie etwas Geduld“) kann ein erster Schritt dazu sein.

 

Erfolgserlebnisse ermöglichen

Überlegen Sie, welche Aufgaben Sie gemeinsam erledigen können. Sie sollten überschaubar und gut umsetzbar sein: Und vor allem Freude machen. Dazu gehört, dass Sie verbliebene Fähigkeiten fördern. Auch wenn es länger dauert – planen Sie genügend Zeit ein – bleiben Sie geduldig. Nehmen Sie Ihrem Partner nichts ab, was er selber „schaffen kann“.

Sorgen Sie für genug Aktivitäten am Tag, so können Sie den Tag-Nacht-Rhythmus länger aufrecht erhalten.

 

Vertrauen schaffen

Je ungezwungener Sie mit Ihrem Mann sprechen, desto besser. Manchmal sagt ein Blick mehr als 1000 Worte. Sie werden immer besser verstehen, was er jetzt braucht. Sprechen Sie in kurzen einfachen Sätzen und achten Sie auf einen ruhigen Tonfall. Auch hier macht der Ton die Musik.

 

Berühren Sie Ihren Mann, wenn er das mag. Sie wissen das – Sie sind seine Frau! Sich über die Körpersprache zu verständigen, verläuft häufig friedlicher, als ihm Löcher in den Bauch zu fragen.

Es wird spüren, dass Sie ihn verstehen und für ihn da sind. Das hilft ihm, sich sicher und respektiert zu fühlen. Sie geben ihm Halt.

 

Holen Sie zwischendurch mal Luft

Hört sich gut an, immer alles unerschütterlich und mit Weitblick zu händeln, oder? Aber im wirklichen Leben kommt's halt anders. Wenn es Ihnen einmal wirklich reicht – lassen Sie sich bitte nicht hinreißen. Alles 'rauszulassen, was Ihnen zuviel ist, schafft nur kurzfristig Erleichterung...

Wenn möglich, verlassen Sie in herausfordernden Situationen kurz den Raum und holen Sie tief Luft. Und ein zweites Mal. Das hilft meistens, um ein wenig Abstand zu gewinnen.

 

  

Hier finden Sie weitere Unterstützung

  

Austausch mit Betroffenen

Zu erleben, dass es Menschen gibt, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, kann verbinden. Und befreien von dem Anspruch, alles richtig (!) machen zu wollen.

Nutzen Sie die Chance, an den Erfahrungen der Anderen teilzuhaben und den Anderen Ihre Erfolgs-Rezepte zu verraten.

 

Sie finden keine Selbsthilfe-Gruppe in der Nähe? Es gibt auch Internet-Foren für Angehörige von Menschen mit Demenzerkrankung.

Was hält Sie davon ab, es zu versuchen? - Sie können doch nur gewinnen.

 

 

Kann mir bitte mal jemand helfen!

Scheuen Sie sich nicht, professionelle externe Angebote anzunehmen. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Vieles wird – zumindest teilweise - von der Pflegekasse übernommen: 

  • Ambulanter Pflegedienst – zur Unterstützung bei der Körperpflege

  • Außerhäusliche Aktivierungs-/Betreuungs-Gruppen – auch Ihr Mann braucht einmal Tapetenwechsel

  • Ehrenamtliche Helfer/Nachbarschaftshilfe – ein offenes Ohr für Ihren Mann (und seine Sorgen)

  • Ersatz-/Verhinderungspflege – für die Pflegevertretung zuhause

  • Tages-/Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung - damit sie nachts 'mal wieder schlafen können

     

Selbstfürsorge

Sie haben jetzt eine professionelle Alternative zu Ihrem permanenten persönlichen Einsatz vor Augen.

 

Höchste Zeit, es auch wirklich umzusetzen.

 

Nur wenn Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse achten, können sie langfristig gut für Ihren Mann sorgen. Dazu gehört es, den eigenen Freiraum zu behalten, eigene Freundschaften und Hobbies zu pflegen – kurz: die eigene Lebendigkeit zu nähren.

 

Und auch wenn es ein Tabuthema ist: denken Sie frühzeitig darüber nach, wie es später einmal weiter gehen soll. Später, wenn Ihr Mann vielleicht nicht mehr selbst entscheiden kann.

 

Machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut, eine Vorsorgevollmacht, Patienten- und Betreuungsverfügung aufzusetzen. Und lassen Sie sich dabei professionell beraten.

  

 

Fehler, die Sie im Umgang mit Ihrem Mann erkennen und vermeiden sollten

 

Jede Demenz ist anders, jeder Mensch und seine Lebensgeschichte auch. Was dem einen gut tut, passt für den Anderen garnicht. Respektieren Sie, was möglich ist – akzeptieren Sie, was nicht mehr geht.

 

Überforderung

Der Anspruch, alles bestmöglich zu machen, kann leicht ausufern. Es passiert schon einmal, dass Sie Ihren Mann überfordern – oder sich selbst. Der Geduldsfaden reißt, Sie sind unzufrieden mit sich und der ganzen Situation – und überhaupt ist alles einfach viel zu viel...

Bewahren Sie Ihre Kraft, gehen Sie einen Schritt zurück, planen Sie mehr Zeit für „Aktivitäten“ ein. Und im Zweifel noch mehr Zeit und weniger Aktivitäten.

 

Vermeiden Sie Belehrungen

Erklären Sie Ihrem Mann nicht, wie es „in Wirklichkeit“ ist. Sparen Sie sich Diskussionen dieser Art. Sie kosten nur Kraft auf beiden Seiten und bringen höchstens zusätzlichen Frust.

 

Reden Sie ihm seine Sichtweise und seine Bedürfnisse nicht aus. Versuchen Sie diese zu akzeptieren. Vielleicht gelingt es Ihnen sogar, seine Sichtweise einzunehmen – zumindest manchmal.

 

Nehmen Sie seine wütenden Äußerungen oder Beschimpfungen nicht persönlich – aber nehmen Sie sie ernst. Er hat seinen Grund dafür, auch wenn dieser nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist.

 

Ich schaffe das schon“!

Es ist auch kein Zeichen von Schwäche, wenn Ihnen alles zu viel wird. Sind Sie hilflos, traurig oder wütend? Das ist das vollkommen normal, ein wichtiges Signal und damit gesund und völlig legitim: Quasi Überlebensstrategie.

 

Zuviel innerer und äußerer Druck kann zu eskalierenden Situationen führen. Zurück bleibt auf beiden Seiten eine große Not.

Schauen und hören Sie deshalb gut auf sich und holen Sie sich Hilfe, soviel Sie brauchen.

  

 

Was ich Ihnen an's Herz legen möchte:

 

Sie kennen jetzt viele kleine Stellschrauben, wie Sie den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können.

 

Aber: vergessen Sie sich dabei nicht selbst: Hören Sie die Signale, die Ihr Körper und Ihre Seele senden.

Nehmen Sie sich und Ihre Gefühle wahr und ernst.

 

Sorgen Sie gut für sich und bedenken Sie: Mitgefühl JA – Aufopferung NEIN

 

Es ist niemanden geholfen, wenn Ihnen die Kraft ausgeht. Und Ihrem Partner am allerwenigsten...

 

 

 

 

Perspektiven bei Demenz in der Familie

Demenz Begleitung München

 

Christine Ramsbacher   -    Heilpraktikerin für Psychotherapie   -   Systemische Beratung und Therapie

81241 München   -    Ernsbergerstraße 7 b   -   Tel. 089-74036267

www.perspektiven-fuer-die-seele.de

             E-Mail: anfrage@perspektiven-fuer-die-seele.de

 

 

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